Gegen Mittag ging mein Flug nach Mumbai/Bombay. Mal wieder nur mit einer Adresse ausgestattet, hab ich mir am Flughafen in Mumbai zunächst ein Prepaid Taxi organisiert. Ist ganz praktisch sowas! Da zahlt man im Voraus am Schalter einen Festpreis, der sich nach der Entferung richtet und bekommt dafür eine Art Quittung, die man am Fahrziel angekommen dem Taxifahrer gibt. Der kann das dann einlösen und selber hat man mit dem Taxifahrer nichts finanzielles zu verhandeln. Als Tourist in Indien ist sowas nur von Nutzen!! :)
Das mir zugewiesene Taxi war eine kleine, üble Schrottkarre. Nicht nur äußerlich, nach etwa 20 Minuten Fahrtzeit sprang die Kiste nach einer roten Ampel nicht mehr an! Schieben, Ziehen, Dagegentreten, Anspucken...alle Versuche des Fahrers sein rostiges altes Taxi wieder in Fahrt zu bringen, scheiterten. Also musste ich umsteigen – in die nächstbeste Autorikscha. Nach nerviger Diskussion gab mir mein „Ex-Taxifahrer“ dann auch das Geld für die Rikscha, da ich ja die Gesamtstrecke schon bezahlt hatte und er sich mit dem Coupon auch das ganze Geld abholen kann. Ich war ja lange noch nicht am Ziel!
Jedenfalls wechselten die beiden Taxifahrer dann noch einige für mich unverständliche Worte in Hindi und los gings in der Rikscha. Nach etwa 10 minütiger Irrfahrt durch Mumbais Straßenchaos fragte mich der Fahrer dann auch mal: „where?“ Na toll! ;) Er sprach natürlich kein Englisch und wusste auch nicht, wo die Adresse zu finden ist, die ich ihm aufgeschrieben hatte. Also hielten wir alle 50m um jemanden nach dem Weg zu fragen...^^
Irgendwann bin ich dann tatsächlich angekommen! ;)
Meine Gastgeberin Shikha ist 26 und arbeitet als unabhängige Reisejournalistin und Fotografinb für verschiedene Magazine und Verlage. Sie lebt in einer 2er WG in einem der besseren Stadtviertel Mumbais. Auf der ausführlichen Fahrt zu ihrer Wohnung hab ich ganz andere Behausungen gesehen, die nur aus einer etwa 1,5m über dem Gehweg gespannter Plane bestanden und darin tümmelten sich dann massenweise Menschen im Dreck...kein schöner Anblick!
Wir sind dann in einen Coffeeshop gegangen, später sind dann noch zwei Freunde von Shikha und ein Couchsurfer aus Ungarn, der bei einem der Freunde wohnt, zu uns gestoßen. Waren auch noch alle zusammen Abendessen und sind danach in einen Garagen-Pub gefahren. Die Angestellten dort haben alle Blaumänner getragen... :) Dort kamen dann noch mehr Bekannte von Bekannten usw. Sind alle sehr nett und lustig gewesen.
15.10.2010
Ich hätte nicht gedacht, dass sich Delhi und Mumbai so stark unterscheiden. Immerhin sind es beides sehr große indische Städte. Delhi Regierungszentrum und Mumbai Wirtschaftszentrum. Aber zwischen den beiden Städten, bzw. zwischen dem, was ich mit meinen jeweils auch unterschiedlichen Gastgebern aus verschiedenen Milieus gesehen habe, liegen Welten!
Mumbai scheint Delhi um Jahrzehnte voraus zu sein! Hier sind viel mehr westliche Einflüsse zu spüren. Ich konnte mich völlig frei bewegen ohne ständig – wie in Delhi – angestarrt, angesprochen oder angefasst zu werden. Bis auf den Taxifahrer (natürlich gerade der!^^) sprechen hier alle sehr gutes Englisch, bessere Straßen – habe keine ungepflasterten Straßen gesehen. Vom Verkehr ist hier nicht die Rede! Der war in Delhi dagegen total entspannt! ;) Und so weiter... Mumbai hat auf mich jedenfalls einen sehr weltoffenen und (verhältnismäßig) modernen Eindruck gemacht. Andererseits hab ich noch nie so starke Kontraste gesehen wie hier! Einige Stadtviertel bestehen ausschließlich aus großen Glaspalästen, Banken, Hotels, schicken Clubs und Shopping Malls und wenige Kilometer weiter hausen die Leute in zeltähnlichen Buden, liegen im Dreck auf der Straße, hängen ihre Wäsche über Ampeln und Verkehrsschildern auf. Straßenrände sind von meterhohen Müllbergen gesäumt und dazwischen spielen unzählige Kinder. Auch ein Ausflug zu einem der Stadtstrände war mehr schockierend als schön. Direkt am Strand, im Sand, stehen Behausungen aus Holzbrettern, Stöcken, Planen, Wellblech. Anscheinend je nachdem, was man gerade gefunden hat. Der komplette Strand war voll mit Müll und Fäkalien, dazwischen Familien, Kinder, Hunde... Da wird das Meer (ich wurde leider Augenzeuge dessen!) als WC genutzt...und natürlich alles wieder angeschwemmt! Dementsprechend grauenhaft roch es da dann auch. Soviel Dreck, Müll und Gestank hab ich noch nie erlebt – Und im Hintergrund große Appartmentgebäude und Luxushotels.
16.10.2010
Mumbai besteht aus Nord- und Südstadt. Meine Unterkunft war im Norden, das ist der neuere Teil der Stadt. Im Süden befindet sich das alte Mumbai, was hier als Bombay bezeichnet wird. (Mumbai und Bombay sind ein und der gleiche Name für die gleiche Stadt. Hieß früher Mumbai, dann Bombay und nun wieder Mumbai, daher nennts jeder anders!)
Shikha wollte mir heute den Süden zeigen. Dazu war eine Zugfahrt von Nord nach Süd nötig. Zugfahren in Bombay! Ich wünsch es keinem! Sobald der schon längst übervolle Zug den Bahnhof erreicht, springen die ersten aus den türlosen Türrahmen des noch fahrenden Zugs. Das ist auch nötig, denn sobald der Zug annähernd zum Stehen gekommen ist, quetschen sich Menschenmassen rein. Aussteigen ist zu diesem Zeitpunkt also läääängst zu spät! Und nach 30 Sekunden halt gehts dann auch weiter. Manche stehen zwar nur mit einem Bein im Zug und die andre Körperhälfte hängt irgendwie noch raus, aber das interessiert hier keinen. Von wegen "Vorsicht einfahrender Zug" oder "Abstand"...
Shikha hatte mir zwar gesagt, dass ich da nicht besonders rücksichtsvoll rangehen soll, aber darauf war ich dann doch nicht vorbereitet. Der erste Zug fuhr los, Shikha klebte zur Hälfte noch mit drin, ich konnt dann irgendwie nicht so spontan auf den fahrenden Zug aufspringen...also ist sie wieder rausgehüpft. Beim zweiten Anlauf hats dann geklappt und wir steckten beide im Zug. Es war schrecklich und superlustig gleichzeitig! Ich hatte das Gefühl, mit allen 1, 2 Milliarden Indern auf einmal im gleichen Abteil zu stehen. Ein riesengroßes Gedrängel, Gequetsche und Geschiebe! Besonders schlimm wurde es dann an den Haltestellen, wenn die ganzen Leute wieder rein und rausströmten. Das Spektakel dauerte jedenfalls 40 Minuten, gefühlte 4 Stunden!! :)
Dann waren wir im Süden. Große, breite, saubere Gehwege. Nur Taxis, keine quietschigen Rikschas. Hupverbot. Gepflege Strandpromenade. Alte, vikrorianische Gebäude: Universitäten, Gerichtshöfe, Kirchen, Cricketplätze und schöne Grünanlagen. Mal wieder überraschte Bombay mich mit seiner Vielseitigkeit. Wir sind dann zum Gateway of India gefahren, das ist so ziemlich das Wahrzeichen der Stadt. Ein großes Steintor im britisch-indischen Stil am Hafen Mumbais, das als Begrüßungsgeste errichtet wurde zu Zeiten, in denen Mumbai hauptsächlich per Schiff erreichbar war. Wir sind dann am Chowpatty Beach, einem wirklich schönen, wimmeligen Stadtstrand entlang gegangen. Hier wehte sogar ein kleines Lüftchen! :) Waren dann noch auf alten Märkten, in Tempeln und Kirchen und schließlich irgendwo was essen. Gegen 5 gings dann schnell zum Zug, um unbedingt noch vor der Rushhour wieder in den Norden zu kommen! ;)
Am Abend stand ein Mädelsabend in der WG an, außer Shikha und mir noch ihre Mitwbewohnerin und 3 andere Freundinnen. Haben was zu essen bestellt, Spiele gespielt und sind später noch tanzen gegangen. Bei einer der Freundinnen haben wir dann den Abend ausklingen lassen und waren irgendwann am frühen Morgen wieder bei Shikha in der WG. Konnte mich dann noch mal für 3 Stündchen hinlegen und mich dann auf den Weg zum Flughafen machen...
17.10.2010
Flug nach Malaysia. War sehr unruhig, wackelig und viele schreiende Kinder. So richtig konnte ich also meinen Schlaf nicht nachholen ;)
In Kuala Lumpur am Flughafen hab ich dann 3 andere Mädels aus Australien und Neuseeland getroffen und wir haben noch zusammen bei McDonalds Abend gegessen. Dann hieß es, die ganze Nacht auf dem Flughafen rumzuhängen und zu warten, dass der erste Flieger morgen um 7 nach Kuching geht...
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