6.10.2010
3 Flugstunden und einen ersten Sonnenstich später:
Über mir rattert ein Ventilator auf höchster Stufe, draußen kläffen Hunde, Menschengeschrei und hupende Autos. Die Luft ist trotz luftiger 30 Grad extrem stickig. Willkommen in Indien :)
Bin gegen 3 Uhr indischer Ortszeit in Delhi gelandet. Nach gefühlten 20 Passkontrollen durfte ich dann noch bis kurz vor 5 aufs Gepäck warten. War nicht weiter schlimm, da ich bei Ankunft eine SMS von meiner Gastgeberin Seya erhalten hatte, in der sie mir mitteilte, dass sie nicht wüsste, ob sie es schafft, mich heute bzw. Überhaupt noch noch zu treffen und sie würde einen Freund schicken.
Also hab ich erstmal gewartet, auf irgendwen irgendwann...bis sich dann aber auch gar nicht sooo viel später ein Kunal meldete, mich abholte und zu Seyas Wohung brachte. Auf dem Weg vom Flughafen hat er mir erstmal erläutert, dass die meisten Inder keine Verkehrsregeln beherrschen würden und danach mit einem breiten Strahlen verkündet, dass er auch dazu gehört...Naja....;)
Wär auch egal gewesen, wenn er sie gekannt hätte, weil die ziemlich leicht zu durchschauen waren:
- Fahrbahnmarkierungen, Straßenschilder, Polizeisperren, Ampeln und dergleichen sind nur Deko.
- Man blinkt nicht beim Überholen, sondern hupt einmal laut und deutlich und gibt ordentlich Gas.
- Fußgänger, Radfahrer, Rikschas, Tuk-Tuks (=motorbertriebene Rickschas), Autos, Busse, Mopeds und Kühe nutzen alle die gleiche noch so kleine oder große Straße in 4 verschiedene Richtungen gleichzweitig. Man merkt kaum, dass eigentlich Linksverkehr ist, irgendwer weicht schon irgendwann aus. Meistens.
- Auf ein Moped passt mindestens eine 4-köpfige Familie – plus Kühlschrank!
- Mit ordentlich Tempo so über Schlaglöcher fahren (und es gibt echt viele Schlaglöcher!), dass man mindestens bis an die Autodecke hüpft, dazu Musik – volles Rohr!
Gut angekommen also, hielt sich meineBegeisterung zugegebenermaßen stark in Grenzen. Aber nach ner Dusche, Frühstück und ein paar Stunden Schlaf sah es dann gleich viel (naja, ein bisschen^^) besser aus. Mein Zimmer besteht aus 4 Wänden, einer Matratze, einem Ventilator (YEAH!) und nem Aquarium. Im 3. Stock mit traumhaften Ausblick auf eine kleine, staubige, mit allen möglichen Lebewesen belebte Straße. Was will man mehr! :)
Kunal hat mich dann Nachmittags durch die Stadt gefahren, zum Parlament, India Gate, auf verschiedene, bunte Märkte, farbenprächtige Tempel, darunter auch der Lotustempel, der wohl der bedeutendste Indiens ist, und zu einer Art Kunsthandwerkermarkt. Dort gabs dann auch irgendwann Mittag, dass ich aber trotz deutlichen "not too spicy, please" nur mit jeder Menge Wasser und eigenartigem indischen Eis zum Nachtisch ertragen konnte. Abgesehen davon, war es sehr lecker ;)
Auf dem Rückweg hat mir Kunal noch eins seiner Büros gezeigt. Ich würds ja eher als Panikraum bezeichnen, aber nagut... :) Dem gehören irgendwie 3 Firmen hier in Delhi und noch weitere in ganz Indien, jedenfalls verdient der wohl richtig gut.
Die Wohnung besteht außer aus meinem Zimmer noch aus Toilette/Dusche, einer Kochnische und 2 anderen Zimmern, in denen Kunal seine Angestellten untergebracht hat (einen Fahrer, einen Jungen zum Kochen und Putzen und einen als Art Sekretär). Mit denen kann ich mich zwar kaum unterhalten, weil die nicht wirklich Englisch sprechen, sind aber sehr nett und hilfsbereit und weihten mich gleich in die Kunst komischer indischer Brett- und Kartenspiele ein. ;-)
7.10.2010
Heute war Sightseeing angesagt, und zwar in Old Delhi. Nach dem Frühstück, das mir in Form von übersüßtem Tee mit übersüßter Milch und indischen Fladenbrot gereicht wurde, holte mich Kunal von meiner Unterlunft ab und ab gings zum Roten Fort, eine Anlage aus dem 17.Jhd. mit mehreren Palästen, Hallen, Moscheen und Gärten. Fast noch spektakulärer als das Fort war (mal wieder) die Fahrt dorthin. Da in der Nähe keinen Parkplätze zu finden waren, wurde das Auto kurzerhand woanders abgestellt und ab in die Autorikscha. Zunächst etwas furchteinflößend, aber irgendwie auch superwitzig, gings dann damit in rasanter Geschwindigekeit durchs Gewimmel. Ich glaube, rein statistisch, hätten wir mindestens 5 Unfälle verursachen müssen... :)
Im Fort angekommen durfte ich als Tourist den 25-fachen Preis vom Eintrittspreis für Inder zahlen, was aber bei einer Summe von 4 Euro verschmerzbar war. Von da aus gings dann weiter zur Jama Masjid, zur größten Moschee Indiens, und zwar diesmal mit einer Fahrradrikscha. DAS war jetzt wirklich mehr furchteinflößend als schön! ;-)
Weiter durch die Haupteinkaufsstraße von Old Delhi, wo es unglaublich viele verschiedene Dinge zu kaufen gibt! Stoffe, Teppiche, Seide, Malereien, Schmuck, Schuhe, Gewürze, Kunsthandwerk, Lebensmittel,CDs, Bücher, Kleidung, Tiere,...irgendwie alles! Dementsprechend riechts dann da auch irgendwie nach allem ;) Außerdem ein Haufen Menschen, sodass das Ganze zwar sehr beeindruckend war, aber nichts für einen längeren Aufenthalt. Zudem auch noch kreischige Händler, massenweise Straßenhunde und Bettelkinder. Angesichts der der kleinen Kinder fällt es dann auch wirklich schwer, nichts zu geben. War also nicht besonders angenehm dort und wir sind dann bald wieder (mit so einer Kamikaze-Rikscha) zum Auto zurück gefahren. In der Unterkunft angekommen, durfte ich dann sogar beim Kochen helfen, d.h. man vertraut emir das Rühren an :)
Was dann raus kam war ein Reiseintopf mit Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln, Lamm und 1000 Gewürzen, eins schärfer als das andere! Dazu gabs dann Joghurt als Beilage. Hat gut geschmeckt.
Am Abend wurde ein 9tägiges Götterfest eingeleutet, bei dem überall an den Templen kleine Lichter und Lämpchen leuchten und man dann während dieser Zeit kein Fleisch isst (viele Inder sind sowieso Vegetarier, ansonsten viel Huhn und Lamm, da Kühe heilig sein und Schwein als unrein gilt.). Gefeiert wurde das Ganze in Kunals Garten, vorher gings aber noch auf den Nachtmarkt um noch Zubehör zu besorgen (Lebensmittel, Deko). Und weils da zu menschenüberlaufen war nicht mit Auto, sondern Moped! Sagte ich, Rikschas durch Delhi wären beängstigend? Das nehm ich an dann an dieser Stelle mal zurück :-) Auf dem Markt war dann auch echt ordentlich was los und es ist fast erstaunlich, dass ich nicht verlorgen gegangen bin! :)
Hauptbeschäftigung später am Abend war es dann mit allen möglichen Arten von Luftgewehren, Luftpistolen und Pfeil + Bogen auf eine Zielscheibe zu knallern! ;) Super unterhaltsam das Ganze!
Irgendwer hatte dann auch noch Geburtstag, es gab Torte und Essen (ich spare mir jetzt mal, jedes Mal zu erwähnen, dass es viel zu scharf, aber sonst lecker war ;)). Gegen 3 Uhr nachts oder so lag ich dann im Bett, also auf der Matratze ;)
8.10.2010
Weiter gehts mit Sightseeing! Nach dem Fruehstueck gings zur Qutb Minar (oder so ähnlich), einer Art Ruinenstadt, eigentlich nur aus den Ueberresten einer großen Moschee bestehend. War sehr schoen und sehr heiß da! Danach gings zu einem Hinditempel, der Weg dahin war von Scharen von Affen blockiert, dazwischen immer mal ein Wildschwein. Mitten in Delhi! Kam mir eher vor wie auf einer Safari... :)
In Delhi waren zur zeit die Commenwealth Games, sowas wie Olympiade und daher sind viele Sehenswuerdigkeiten aus Sicherheitsgruenden (wegen Terrordrohungen und so) nicht oder nur beschränkt und strak bewacht geöffnet. Von daher hab ich dann vieles nur aus der Ferne bewundern können, aber immerhin... :)
Am Abend scheiterte dann der Versuch in eine indische Disco zu gehen auch an den überhöhten Sicherheitsmaßnahmen und wir endeten schließlich bei Mc Donalds! Was es in einem McDonalds gibt, in einem Land, in dem man Rindfleisch isst? - Keine Ahnung! Sah alles komisch aus, hab dann nen Eis genommen! :)
9.10.2010
Vormittags gings in den Zoo, lustige, indische Tiere angucken. Aber da es echt heiß war (mal wieder), sind wir nur mit so nem kleinen Caddy durch den Zoo gefahren und dann irgendwo zum Mittagessen. Nachmittags haben wir ausreichend Hennafarbe beschafft und dann frisch und froh drauf los geschmiert was das Zeug hält! :) Mit mehr als genug neuer Körperverzierung gings dann am Abend auf ein Hindifest. Da hab ich es aber nicht lange ausgehalten! Das war eine Art Rollenspiel oder Theater und zwar in unmenschlicher Lautstärke und noch viel unmenschlicheren Lauten an sich. Kurz: Ein einziges Gekreische! Dazu ein Haufen johlende Inder, die alle irgendwas andres brüllten und wie verrückt umhersprangen. Ich fands also extrem unangenehm da^^. Wir sind dann nach weniger als 10 Minuten wieder gefahren! :)
Genauso unangenehm ist es mir, hier ständig bedient zu werden. Sobald ich „nach Hause“ komme, wird mir erstmal auf einem Tablettchen gekühltes Wasser serviert, dann zugeguckt wie ich das trinke und dann wieder abgeräumt. Mit dem Essen das gleiche. Und sobald irgendwas alle ist gibt’s ungefragt Unmengen Nachschub. Sattsein gibt’s irgendwie auch nicht... Sobald sich auf der Matratze, die hier Schlaf-, Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer ist, ein Fältchen gebildet hat wird’s wieder gerade gezupft, meine Sachen werden ständig aufgeräumt, usw. Hab zwar mehrfach gesagt, dass ich das nicht brauche, aber das wird ignoriert. Naja, auf Dauer könnt ich mich vielleicht dran gewöhnen, aber so ists komisch! :)
Auch gewöhnungbesdürftig: Inder stehen auf Körperkontakt. Ständig fasst jeder jeden an, Männer gehen Hand in Hand oder Arm in Arm umher. Frauen auch. Jedenfalls ist man ständig mit irgendwelchen Berührungen konfrontiert. Was nicht immer zu meinem persönlichen Reinlichkeitsempfinden beiträgt! ;)
Eine eigentlich für heute geplante Fahrt nach Agra zum Taj Mahal mussten wir leider abbrechen. Aufgrund von unseren Weg kreuzenden Krawallen und Schiesserein auf halber Strecke, wurde das Unterfangen dann abgebrochen. Ist zwar sehr sehr schade, aber das wars dann doch nicht wert! Nächstes Mal dann eben... :)
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